Kleineschwestersuppe – Ein Film-Literaturprojekt

Jugendliche des cg-Leseclubs und der Von-Lerchenfeld-Schule entwickelten gemeinsam ein Seh-Video

Wer sich mit Literatur befassen möchte, muss nicht unbedingt Suppe kochen können. Wer sich aber mit Literatur auseinandersetzen mag, der darf zerdrückte Marienkäfer, aufgespießte Nachtschnecken, schwarzen Dreck unter den Fingernägeln in die Suppe geben, um dann diese Suppe seiner kleinen Schwester zu verabreichen. In der Kurzgeschichte „Kleineschwestersuppe“ von Finn-Ole Heinrich, preisgekrönter deutscher Schriftsteller (Deutscher Jugendliteraturpreis 2012) und Filmemacher, lassen sich Martin und Adam alles Mögliche einfallen, um die perfekte ekelige Suppe zu kochen.

„Man sitzt da ja ewig an seinem Schreibtisch und popelt sich da eine Geschichte aus dem Kopf und dann passiert da etwas, womit du nie gerechnet hast.“, erzählt Finn-Ole Heinrich in einem Interview. Dass sich schwerhörige wie auch gehörlose Jugendliche und Kinder mit der Geschichte auseinandersetzen würden, hat der Autor beim Schreiben mit Sicherheit nicht geahnt.

Im Rahmen von „Literanauten überall“ – gefördert vom Bundesbildungsministerium für Bildung und Forschung - ist nun ein Projekt entstanden, bei dem hörende und gehörlose Schüler sich gemeinsam mit dieser Kurzgeschichte befasst haben. Das bundesweite Leseförderungsprojekt „Literanauten überall“, vom Arbeitskreis für Jugendliteratur und „Kultur macht stark“, dient dazu, Jugendliche zum Lesen zu motivieren. Jugendliche, die in einem Leseclub aktiv sind, schließen mit einem lokalen Bündnispartner ein Bildungsbündnis und gestalten hierbei gemeinsam ein Projekt für andere Jugendliche, die das Lesen noch nicht für sich entdeckt haben. Dazu gehören auch der cg-Leseclub des Clavius Gymnasiums in Bamberg und Schülerinnen und Schüler der Von-Lerchenfeld-Schule. Die Teilnehmer im Alter von 12 bis 19 Jahren haben sich ein Konzept überlegt, bei dem es darum geht, die Kurzgeschichte „Kleineschwestersuppe“ auf eine etwas andere Art und Weise zu erzählen. Und so ist im Rahmen des Projekts ein „Hörbuch für Gehörlose“ entstanden, sprich ein Sehvideo, ein Video, in dem Schüler der Von-Lerchenfeld-Schule die Geschichte in Gebärdensprache spielerisch umsetzen.

Das Projekt wurde am 10. November um 9:30 Uhr im Odeon Kino Bamberg für Schüler des Clavius Gymnasiums und der Von-Lerchenfeld-Schule präsentiert. Im Anschluss fand eine Lesung von Finn-Ole Heinrich statt.

     

Dass das Projekt letztendlich nicht nur Lesefreude, sondern auch den Erzähldrang weckt, hätten die Hauptorganisatoren Marc Hupfer (Leiter des cg-Leseclubs und Lehrer am Clavius Gymnasium), Nefeli Kavouras (ehemalige Schülerin) und Evelyn Ueding (Lehrerin an der Von-Lerchenfeld-Schule) nicht gedacht. Die Schüler haben die Geschichte verinnerlicht und sie nicht nur mit ihren Händen erfasst, sondern sie bewiesen ein schauspielerisches Talent, wodurch selbst jene, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, alleine beim Zusehen gepackt und gefesselt werden.

Am Ende gibt es drei Versionen der Kurzgeschichte: Zum einen gibt es eine Übersetzung einer gekürzten Fassung in die Deutsche Gebärdensprache von Christiane Barthelmann (Dozentin für Deutsche Gebärdensprache), die als Vorlage für die Schülerversion diente. Zum anderen wurde von den Schülern selbst die Kinderversion geschaffen. Diese Version erzählt in vereinfachter Sprache und mit großem schauspielerischem Einsatz die Originalgeschichte nach. Zum Schluss wurde die Originalgeschichte von der gehörlosen Sozialpädagogin Tanja Bierschneider in Deutsche Gebärdensprache übersetzt und interpretiert. Diese Videos, die von der AG-Schulfilm der Von-Lerchenfeld-Schule unter der Leitung von Evelyn Ueding aufgenommen und bearbeitet werden, stehen ab dem kommenden Jahr interessierten Schulen zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Projekt „Literanauten überall“ unter  http://www.literanauten.org

Nefeli Kavouras