Die deutsche Gebärdensprache (DGS)

Die deutsche Gebärdensprache (DGS) ist kein Manualsystem, sondern eine linguistisch anerkannte Sprache. Sie wird von den Händen und dem Körper produziert. Sie benutzt den Körper als Sprachinstrument, insbesondere in dem sogenannten „Gebärdenraum“ vor dem Oberkörper. Mimik, Kopf- und Körperhaltung sind in der Gebärdensprache wichtige Bestandteile der Grammatik. Hinzu kommen die manuellen Parameter der einzelnen Gebärdenzeichen (Handform; Handstellung; Ausführungsstelle; Bewegung) und orale Parameter wie Mundbild und Mundgestik.

Im Gegensatz zur Lautsprache wird die Gebärdensprache über das Auge wahrgenommen. Die Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache. Das Auge hat – anders als das Ohr – die Möglichkeit, verschiedene Informationen gleichzeitig (simultan) aufzunehmen. Daher ist die deutsche Gebärdensprache eine visuelle, räumlich-orientierte Sprache mit einer komplexen, eigenständigen Struktur und Grammatik, die sich völlig von der Grammatik der deutschen Lautsprache unterscheidet. Die Gebärdensprache ist grammatikalisch vollkommen anders aufgebaut als die deutsche Sprache.

Im Gegensatz zur Gebärdensprache wird Deutsch in seiner gesprochenen Form (deutsche Lautsprache) mittels der Stimmbändern, der Zunge und den Lippen produziert und über das Ohr bzw. die Sprechbewegungen wahrgenommen. Lautsprachen sind - im Gegensatz zu Gebärdensprachen - aneinanderreihende (sukzessive) Sprachen, die sowohl in gesprochener als auch in geschriebener Form eine bestimmte Struktur und Grammatik haben.

DGS ist eine visuelle Sprache. Im Gegensatz zu gesprochenen Sprachen kann die Gebärdensprache verschiedene grammatikalische und semantische Informationen simultan ausdrücken.

Beispiel Deutsch: Das Buch steht im Regal.

Beispiel DGS: BUCH REGAL STEHEN-in Regal




Die lautsprachbegleitende Gebärde (LBG)


Bei den lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) wird zu jedem gesprochenen Wort ein entsprechendes Gebärdenzeichen ausgeführt, d.h. die Grammatik der deutschen Lautsprache bleibt bestehen. Daher ist die LBG keine eigenständige Sprache wie die DGS oder Deutsch, sondern eine Möglichkeit, gesprochenes Deutsch zu visualisieren, d.h. die Lautsprache besser sichtbar zu machen und somit das Absehen vom Mund zu erleichtern (nur maximal 30% der gesprochenen Sprache kann vom Mund abgesehen werden). Man kann auch sagen: LBG ist gebärdetes Deutsch.

Da die LBG jedoch sehr umständlich und langsam ist, wird meistens die lautsprach-unterstützende Gebärde (LUG) verwendet. Auch bei diesem System wird die Grammatik der deutschen Sprache verwendet, aber es werden nur inhaltsbedeutsame Wörter dazu gebärdet. Artikel und Füllwörter fallen weg. Die einzelnen Gebärdenzeichen sind der DGS entnommen.

LBG und LUG ist also eine Kombination von zwei Sprachen. Man kann sich dieses System so vorstellen, als würde man zwar die deutsche Grammatik benutzen aber englische Wörter dazu sprechen: "How go it you?" (Wie geht es dir?)

Um LBG bzw. LUG verstehen zu können, muss der Hörgeschädigte über eine gute Deutschkompetenz und ein hohes Konzentrationsvermögen verfügen. Bei der Verwendung dieser Systeme lassen sich hörende Benutzer allzu leicht vom Wortlaut leiten, anstatt auf den Inhalt bei der Ausführung der Gebärdenzeichen zu achten. Dies kann sehr schnell zu Missverständnissen führen. EIne LBG bzw. LUG, die sich an der Wortbedeutung anlehnt, setzt Kenntnisse in DGS voraus.

Beispiel für LBG, die sich an dem Wortlaut orientiert:

Das

Buch

steht

in

dem

Regal.

Beispiel für LBG, die sich an der Wortbedeutung orientiert:

Beispiel für LUG, die sich an dem Wortlaut orientiert:

Das Buch

steht

in

dem Regal.

Beispiel für LUG, die sich an der Wortbedeutung orientiert:




Das Fingeralphabet (FA) oder das graphembestimmte Manualsystem (GMS)

Das Fingeralphabet (FA), das in Fachkreisen auch als GMS bezeichnet wird, bildet jeden Buchstaben manuell ab. In der DGS und der LBG wird es verwendet zur Buchstabierung komplizierter Eigennamen und nicht gebräuchlicher Fachbegriffe. In der LBG wird es zudem verwendet zur Darstellung von Artikeln (s.o.) und teilweise auch Wortendungen.



Das phonembestimmte Manualsystem (PMS)

Das PMS dient in der Artikulationsförderung der Visualisierung bestimmter Laute und Bildungsorte. Zudem dient es den Kindern als taktile Hilfe und Gedächtnisstütze bei der Artikulation.