Was ist bilingual?

Bilingual bedeutet zweisprachig, d.h. ein Mensch wächst mit zwei Sprachen auf oder erwirbt / erlernt zwei Sprachen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bilingual aufzuwachsen.

Beispiel 1

Ein Kind in Deutschland hat eine englische Mutter und einen deutschen Vater. Die Mutter spricht englisch mit dem Kind, der Vater deutsch. Das Kind erwirbt von klein auf zwei Muttersprachen: Englisch und Deutsch.

Beispiel 2

In einer italienischen Familie, die in Deutschland lebt, wird italienisch gesprochen. Das Kind der Familie besuchte einen deutschen Kindergarten und anschließend eine deutsche Schule. Dieses Kind wächst bilingual auf - mit Italienisch als Muttersprache und Deutsch als Sprache seiner außerfamiliären Umgebung.

Bilingualismus ist eher die Regel als die Ausnahme. Über die Hälfte der Weltbevölkerung benutzt mehr als eine Sprache im täglichen Leben.

Unter bilingualer Erziehung / bilingualem Heranwachsen hochgradig Hörgeschädigter / Gehörloser in Deutschland versteht man den Erwerb bzw. das Erlernen der Sprachen Deutsch und DGS (Deutsche Gebärdensprache).

Je nach den individuellen Möglichkeiten der hochgradig hörgeschädigten Menschen beinhaltet

a) Der Erwerb / das Erlernen von Deutsch:

b) Der Erwerb / das Erlernen der DGS:

  • die geschriebene Form (Lesen und Schreiben)
  • die gesprochene Form (Artikulation und Absehen)
  • die Ausnutzung noch vorhandener Hörreste bei der Aufnahme gesprochener Sprache
  • manuelle Hilfen zur Visualisierung und Produktion der gesprochenen Sprache:
    • das Fingeralphabet: Visualisierung von Buchstaben
    • das Phonembestimmte Manualsystem (PMS): Manuelle Unterstützung für die Artikulationsanbahnung
    • die Lautsprachbegleitende Gebärde (LBG): Visualisierung des Satzbaus der deutschen Sprache
  • Einblick in Verhaltensweisen bei der Kommunikation von Hörenden (kulturspezifischer Aspekt)

Bei dem Erwerb / dem Erlernen des Deutschen stehen bei hochgradig hörgeschädigten Kindern die Grammatik, der Satzbau und die Erweiterung des Wortschatzes im Vordergrund.

  • Gebärdensprachverständnis
  • Gebärdensprachproduktion
  • Visuelles Aufmerksamkeitstraining
  • Erweiterung des Gebärdenwortschatzes
  • Reflexion über die Gebärdensprache (Grammatik, Gebärdenzeichen)
  • Gehörlosenkunde und Vergleich des Kommunikationsverhaltens Gehörloser und Hörender

Unsere Zielvorstellungen

Immer noch wird der Unterricht von und in DGS in der Schule von vielen Pädagogen angezweifelt mit dem Argument, dass gehörlose Kinder in einer hörenden Gesellschaft aufwachsen und daher Deutsch in seiner gesprochenen und geschriebenen Form so gut wie möglich beherrschen sollten.

Dies ist allerdings auch unser Anliegen: Der DGS - Unterricht soll nicht das Fach Deutsch ersetzen, sondern wird verstanden als eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Inhalten. Artikulation, Hörerziehung, rhythmisch-musikalische Erziehung und ein intensiver Deutschunterricht gehören auch nach wie vor zu den wichtigsten Bildungsaufgaben unserer Schule, jedoch ist die Art der Zugangsweise eine andere.

Unsere Möglichkeiten

Die Veränderungen in der Bildungspolitik in Richtung Inklusion, die verbesserten technischen Hilfsmittel, die immer frühere Versorgung mit CI und eine verbesserte frühe Förderung zeigen sich auch in der Schule: immer weniger gehörlose Kinder besuchen die Von-Lerchenfeld-Schule. So können keine eigenen Lerngruppen mehr für Kinder mit DGS als Erstsprache (Sprachlerngruppe IV) gebildet werden. Bilingualer Unterricht ist deshalb nur noch ausnahmsweise - z. B. für Einheiten in kontrastiver Grammatik - möglich. Ansonsten bemühen wir uns um individuelle differenzierte Förderung aller Schülerinnen und Schüler.

Wir bieten aber in allen Jahrgangsstufen und für alle Sprachlerngruppen DGS-Unterricht an, um gemeinsame Kommunikationsstrukturen anzubahnen.

Wir versprechen uns von davon Verbesserungen in den Bereichen

  • Schul- und Allgemeinbildung
  • soziale und emotionale Entwicklung
  • Anbildung der Lautsprache



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